In sozialen Netzwerken kursiert gerade ein griffiges Schlagwort: der „Consulting Collapse". Die These: Die KI-Welle rette die großen Beratungshäuser nicht, sie lege ihre strukturelle Schwäche offen. Das ist zugespitzt, aber der Kern stimmt. Es ist kein Kollaps. Es ist ein Umbruch, und er ist überfällig.
Jahrzehntelang funktionierte ein Modell: Beratung verkaufte Komplexität. Lange Transformations-Roadmaps, große Teams, mehrphasige Projekte, endlose Foliensätze. Das trug, solange Unternehmen das Gefühl hatten, sie bräuchten externe Führung durch die Unsicherheit. KI verändert genau das, was Kunden schätzen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die großen Häuser bauen um, und das sichtbar. McKinsey ist von rund 45.000 Mitarbeitern (2022) auf etwa 40.000 (Mitte 2025) geschrumpft, Ende 2025 kam eine weitere Kürzung um zehn Prozent dazu. Accenture hat rund 11.000 Stellen gestrichen und gleichzeitig drei Milliarden Dollar in KI gesteckt. Am härtesten trifft es die Einstiegsrollen, die klassische Pyramide aus vielen Junior-Analysten.
Gleichzeitig verschiebt sich das Geschäftsmodell weg vom Tagessatz hin zum Ergebnis. McKinsey erzielt nach eigenen Angaben inzwischen rund ein Viertel des Umsatzes mit erfolgsbasierten Modellen. Bei Bain machen KI- und tech-getriebene Leistungen etwa 30 Prozent des Geschäfts aus, Tendenz Richtung 50 Prozent. BCG erwartet einen Sprung von rund 20 (2024) auf etwa 40 Prozent KI-Umsatz (2026). Eine IBM-Untersuchung von 2025 bringt es auf den Punkt: 86 Prozent der Einkäufer wollen KI-fähige Leistungen, 66 Prozent würden Anbieter fallenlassen, die das nicht liefern.
Was Kunden heute wollen
Unternehmen wollen keine weiteren Folien. Sie wollen funktionierende Systeme. Sie wollen keine 18-Monats-Pläne, sondern messbare Ergebnisse in Wochen. Sie wollen nicht allgemeine Ratschläge zu Premium-Sätzen, sondern technische Tiefe, Tempo und Umsetzung. KI entwertet die personalintensive Fleißarbeit und hebt den Wert kleiner, technisch tiefer Teams, die wirklich bauen, ausrollen und verbessern.
Das zeigt sich an einer simplen Gegenüberstellung. Boutique- und KI-native Teams liefern produktionsreife Systeme oft in vier bis sechzehn Wochen. Große Enterprise-Projekte sind auf sechs bis achtzehn Monate und zwei bis vier Millionen Dollar ausgelegt. Und laut Gartner gehen nur 48 Prozent der gestarteten KI-Projekte je in Produktion. Tempo und Lieferfähigkeit sind nicht mehr nettes Beiwerk, sie sind der Unterschied.
Wenn KI ohne Urteil arbeitet
Wie heikel die Sache wird, wenn man KI ohne Sorgfalt einsetzt, zeigt ein Fall aus dem Herbst 2025. Deloitte musste einem australischen Ministerium einen Teil eines rund 290.000-Dollar-Reports zurückerstatten. Eine generative KI hatte darin Studien erfunden, die es nie gab, und sogar ein Gerichtszitat frei halluziniert. Aufgefallen ist es nicht der Firma, sondern einem aufmerksamen Wissenschaftler.
Die Lehre daraus ist nicht „KI ist gefährlich". Die Lehre ist: KI ohne menschliches Urteil zerstört genau das, wovon Beratung lebt, Vertrauen. Der Wert von Beratung sinkt also nicht. Er verschiebt sich, weg vom Folienschieben, hin zu Urteilsvermögen, Umsetzung und Verantwortung für das Ergebnis. KI-bullish, aber nicht naiv.
Die großen Häuser verkaufen jetzt auch KI
Ein zweiter Strang gehört zur ehrlichen Einordnung. Die Beratungshäuser positionieren sich zunehmend auch als KI-Vertrieb. PwC ist OpenAIs erster Reseller von ChatGPT Enterprise geworden, hat über 100.000 eigene Mitarbeiter ausgestattet und verkauft den Zugang an seine Kunden weiter. Bain wurde OpenAIs erster Partner im Beratungssektor. Das ist legitim, und für die Lizenz- und Einführungsfragen braucht es auch Unterstützung.
Aber Lizenzen weiterzuverkaufen ist nicht dasselbe wie Wertschöpfung zu liefern. Ein Werkzeug auszurollen schafft noch keine Lösung. Genau in diese Lücke stößt eine neue Generation von Anbietern.
Die Stunde der schlanken Beratung
Das ist der eigentliche, fast dramatische Shift: Es schlägt die Stunde der kleinen, hochspezialisierten Einheiten. Solo-Selbstständige, Freelancer, schlanke Beratungsagenturen, die mit echter Expertise und hoher Geschwindigkeit liefern. KI automatisiert die Recherche, die Modellierung, die analytische Fleißarbeit, für die früher ganze Armeen von Junioren nötig waren. Dadurch können schlanke Teams heute Aufgaben stemmen, die einst große Rosters brauchten, schneller und zu einem Bruchteil der Kosten.
Man darf das weiterdenken: Beratung, ausgestattet mit lateralem Denken und hohen analytischen Fähigkeiten, wird zunehmend selbst zur Software-Schmiede. Nicht für austauschbare Standardsoftware, da bleibt Kaufen meist richtig, sondern für sehr individuelle, manchmal bewusst kurzlebige Lösungen, die einen echten Wettbewerbsvorteil schaffen. Die Entscheidung verschiebt sich also Richtung Make, wo es Edge bringt, und bleibt bei Buy, wo es Commodity ist.
Ehrlich bleibt dabei: Auch selbst gebaute Software hat Lebenszykluskosten, Wartung, Sicherheit, technische Schulden. Wer baut, muss auch betreiben können. Genau deshalb zählt nicht „möglichst viel selbst bauen", sondern das saubere Abwägen, wo Eigenbau Vorsprung schafft und wo nicht.
Was das für Sie bedeutet
Die Frage an Berater lautet nicht mehr „Helfen Sie uns, es herauszufinden", sondern „Können Sie liefern?". Für KMU und öffentliche Verwaltung ist das eine gute Nachricht. Sie bekommen heute die Verlässlichkeit, die früher den großen Häusern vorbehalten schien, kombiniert mit der Geschwindigkeit, der Ergebnisorientierung und den Kostenvorteilen kleiner Einheiten. Vorausgesetzt, der Partner kann beides: beraten und bauen.
Genau hier steht Vellmerk.ai. Vellmerk.ai berät weiterhin am Geschäftsmodell, geht aber konkret in die Umsetzung, in Wochen statt in Quartalen, schlank statt mit Overhead, und mit einem kuratierten Netzwerk aus Experten, Freelancern und Machern, das passgenau auf Ihr Projekt zugeschnitten wird.
„Die alte Frage war: Helfen Sie uns, es herauszufinden. Die neue lautet: Können Sie liefern? Genau darauf ist Vellmerk.ai ausgerichtet." , Thorsten Vellmerk
Quellen und Weiterführendes
Deloitte erstattet Report mit KI-Fehlern teilweise zurück (Fortune, 2025): fortune.com
KI zwingt McKinsey, BCG und Bain zu neuen Honorarmodellen (TheStreet): thestreet.com
McKinsey-Kürzungen als Warnsignal für die Branche (Fast Company): fastcompany.com
PwC wird OpenAIs erster ChatGPT-Enterprise-Reseller (TechCrunch, 2024): techcrunch.com
Warum Unternehmen KI-Projekte von den Big Four zu Boutiquen verlagern (Winklix): winklix.com
Über Vellmerk.ai
Vellmerk.ai ist eine KI-Beratung (dänische ApS) von Thorsten Vellmerk. Aus über 20 Jahren Prozess- und IT-Erfahrung und mehrjähriger KI-Beratungspraxis unterstützt Vellmerk.ai KMU und öffentliche Verwaltung dabei, KI praxisnah und souverän einzusetzen, von der Strategie bis zur lokalen, on-premise-fähigen Umsetzung. In mehreren Kundenprojekten erprobt. Erstgespräch vereinbaren.