Jeder, der schon einmal ein KI-Projekt geplant hat, kennt das Problem: Die Aufwandsschätzung ist ein Glücksspiel. Wir arbeiten mit State-of-the-Art-Modellen, deren Fähigkeiten sich alle paar Monate verändern. Schnittstellen, die heute funktionieren, können morgen deprecated sein. Und dann ist da noch die Datenbasis, die in der Theorie perfekt aussah, bis man tatsächlich reinschaut.
Die Requirements? Oft unklar, weil der Kunde selbst noch nicht weiß, was mit KI alles möglich ist. Die Aufwandsschätzung? Im besten Fall eine fundierte Vermutung.
Aber: Den Impact, den können wir in der Regel sehr gut bewerten.
Die Vellmerk-Matrix
Die Vellmerk-Matrix ist ein einfaches 2x2-Framework, das wir in unserer Beratung einsetzen, um KI-Projekte zu priorisieren. Die beiden Achsen:
Y-Achse: Impact, Wie groß ist der geschäftliche Nutzen? Dieser lässt sich in der Regel gut einschätzen: Zeitersparnis, Fehlerreduktion, Kundenzufriedenheit, Umsatzpotenzial.
X-Achse: Aufwand (unsicher!), Wie viel Arbeit wird es? Und hier liegt die Crux: Bei KI-Projekten ist diese Schätzung notorisch unzuverlässig.
Die vier Quadranten
Quick Wins (hoher Impact, niedriger Aufwand): Der Sweet Spot. Hier starten wir am liebsten. Schnell sichtbare Ergebnisse, die das Team motivieren und Vertrauen in den KI-Einsatz aufbauen.
Strategische Wetten (hoher Impact, hoher Aufwand): Komplexe Projekte mit großem Potenzial. Auch wenn der Aufwand steigt: der hohe Impact rechtfertigt die Investition. Wenn Sie sich hier verschätzen, haben Sie trotzdem etwas Wertvolles gebaut.
Fill-Ins (niedriger Impact, niedriger Aufwand): Nette Optimierungen, die man mitnehmen kann, aber niemals als Startpunkt. Denn wenn der Aufwand wider Erwarten steigt (und das passiert), sitzen Sie mit einem aufwändigen Projekt fest, das kaum Wert schafft.
Zeitfresser (niedriger Impact, hoher Aufwand): Finger weg. Im Kontext von KI-Projekten die gefährlichste Kategorie, und genau dort landen Sie, wenn Sie bei den Fill-Ins starten und die Aufwandsschätzung daneben liegt.
Die goldene Regel: Bleiben Sie auf der Top-Line
Die zentrale Erkenntnis der Vellmerk-Matrix: Starten Sie immer auf der oberen Linie, bei den Quick Wins oder den strategischen Wetten. Beide haben hohen Impact.
Warum? Weil die Aufwandsschätzung in KI-Projekten per Definition unsicher ist. Wenn Sie oben starten und der Aufwand höher ausfällt als gedacht, wandert Ihr Projekt von Quick Win zu Strategische Wette. Das ist okay: der Impact ist immer noch hoch, es lohnt sich weiterzumachen.
Wenn Sie aber unten starten, bei den Fill-Ins, und der Aufwand explodiert, landen Sie im schlimmsten Quadranten: Zeitfresser. Viel Arbeit, wenig Wert. Und das ist genau die Aufwandsfalle, die man vermeiden kann.
"Der Impact ist der Kompass: der Aufwand ist nur das Wetter. Und Wetter ändert sich.", Thorsten Vellmerk
Fazit
Die Vellmerk-Matrix ist kein akademisches Modell, sie ist ein pragmatisches Werkzeug, das wir in jedem Beratungsprojekt einsetzen. Sie hilft, die richtigen Projekte zu priorisieren und die typischen Fallen bei KI-Implementierungen zu vermeiden.
Sie möchten die Vellmerk-Matrix auf Ihre Projekte anwenden? Sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen, die Quick Wins zu finden und die Zeitfresser zu vermeiden.